Wir müssen alle mehr arbeiten?

Deutschlands Wirtschaftsprobleme und die Ursachen

Die These unseres Bundeskanzlers:

„Mit Work-Life-Balance und 4-Tage-Woche lässt sich der Wohlstand unseres Landes, den wir uns erarbeitet haben, in Zukunft nicht mehr halten. Und deswegen müssen wir mehr arbeiten.“

These Friedrich Merz, IHK Halle-Dessau, Februar 2026

Lüneburg

Bundeskanzler Merz fordert einmal mehr, dass Arbeitnehmer mehr und länger arbeiten sollen – sehr zum Ärger des Koalitionspartners. Während Wirtschaftsvertreter applaudieren, wächst der Konflikt mit der SPD, die stattdessen höhere Steuern für große Vermögen fordert.

Quelle: NTV – 15.01.2026

Es gab Applaus auf der IHK-Versammlung in Halle, auf der Merz zu Gast war.

These: Applaus aus der Perspektive der Profiteure

Der Applaus für Bundeskanzler Friedrich Merz von den Firmenchefs und Wirtschaftsvertretern in Halle kam vermutlich vor allem aus Konzernen, von Verbandsvertretern und wirtschaftsnahen Funktionären – also von Menschen, die von längeren Arbeitszeiten und höherer Arbeitsleistung anderer direkt profitieren. Wer selbst über Arbeitszeiten entscheidet oder Einkommen überwiegend aus Kapital, Unternehmensgewinnen oder Managementgehältern bezieht, bewertet die Forderung nach „mehr Arbeit“ naturgemäß anders als Arbeitnehmer, die ihre Lebenszeit gegen Lohn tauschen müssen.

These: Werner Noske – Initiator von Restart4future

These zur Meinung des Bürgers:

Viele Bürger – auch die 92-93% der Selbstständigen in der EU, die die sogenannten Mikrounternehmen (Firmen mit weniger als 10 Mitarbeitern) führen – und von der Regierungspolitik – insbesondere der der CDU/CSU – sanft und unhörbar in die Insolvenz entlassen werden, hören die Forderung von Friedrich Merz nach „mehr Arbeit“ mit Skepsis.
Sie erleben seit Jahren steigende Mieten, höhere Energie- und Lebenshaltungskosten sowie zunehmenden Leistungsdruck im Job – genau wie ihre Mitarbeiter. Aus ihrer Sicht liegt das Problem daher oft nicht darin, dass Menschen zu wenig arbeiten, sondern dass Produktivitätsgewinne und wirtschaftlicher Wohlstand ungleich verteilt sind und trotz harter Arbeit bei vielen Haushalten immer weniger ankommt.

Die 92-93% der „Mikrounternehmen“ beschäftigen in der EU derzeit noch etwa 29-30% aller Arbeitnehmer – in Deutschland sind es nur noch 80% der Firmen und etwa 19-20%.aller Mitarbeiter. Aber:

👉 Über 99 % aller Unternehmen in Deutschland sind KMU (unter 250 Mitarbeiter) – das zeigt, dass unsere Wirtschaft strukturell von vielen kleineren Betrieben geprägt ist, die die Thesen von Merz und Co. ganz sicher NICHT beklatschen.

These: Werner Noske

In modernen „repräsentativen“ Demokratien gehören rund 90 % der Menschen zu Gruppen ohne starke Lobby: Arbeitnehmer, Rentner, kleine Selbstständige, Studenten, Arbeitslose oder einfache Beamte. Sie tragen mit ihrer Arbeit, ihren Steuern und ihrem Konsum den größten Teil der Wirtschaft. Politisch besonders gut organisiert und einflussreich sind dagegen vor allem große Konzerne, Finanzakteure und ihre Verbände – also eine relativ kleine Minderheit. Die zentrale Herausforderung einer lebendigen Demokratie besteht deshalb darin, Strukturen zu schaffen, in denen die große Mehrheit der Bürger wieder stärker gehört wird und ihre Interessen wirksam in politische Entscheidungen einbringen kann.

📈 These: Die unsichtbare Risikoklasse der Wirtschaft

Nach Ansicht von Werner Noske, dem Initiator von Restart4future und einem dieser Selbstständigen im vorläufigen Ruhestand, bildet in Europa eine große, aber politisch kaum sichtbare Gruppe die unsichtbare Risikoklasse der Wirtschaft. Dazu gehören vor allem Arbeitnehmer, Rentner und Millionen von Kleinstunternehmern. Gerade Mikrounternehmen tragen ein besonders hohes wirtschaftliches Risiko: Viele arbeiten mit geringen Rücklagen, sind stark von Konjunktur, Energiepreisen und Bürokratie abhängig und stehen permanent unter Insolvenz- oder Aufgaberisiko. Während große Konzerne über starke Lobbystrukturen verfügen und politischen Einfluss ausüben können, tragen diese Gruppen einen großen Teil der wirtschaftlichen Lasten – ohne vergleichbare politische Durchsetzungskraft. Dadurch entsteht ein strukturelles Ungleichgewicht zwischen der wirtschaftlichen Realität der Mehrheit und den Interessen der lautesten Akteure im politischen Entscheidungsprozess. ⚖️📊

These: 🤖 Produktivität durch KI statt längerer Arbeitszeiten

Nach Ansicht von Werner Noske liegt die Lösung für Europa ganz sicher nicht darin, dass Menschen immer mehr arbeiten, sondern darin, dass sie mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und Vernetzung produktiver werden – und die Ergebnisse der KI und Produktion fairer verteilt werden.

Wenn KI Routineaufgaben übernimmt, Informationen schneller aufbereitet und Entscheidungsprozesse unterstützt, kann die gleiche oder sogar höhere wirtschaftliche Leistung mit viel weniger menschlicher Arbeitszeit erreicht werden. Der gesellschaftliche Fortschritt sollte daher nicht darin bestehen, Arbeitszeiten wieder zu verlängern, sondern die Möglichkeiten moderner Technologien so zu nutzen, dass Wohlstand, Lebensqualität und Effektivität gleichzeitig steigen – und zwar für alle – und nicht nur für eine Elite von Politikern und Konzernbossen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert